Kernpunkt: Google bleibt wichtig, ist aber nur noch eine von mehreren Türen. Auf vier Websites, die ich betreue, kommen auf 100 Besuche über Google rund 1 bis 2 über KI-Assistenten, und über Meta AI messbar gar keiner. Gerade das ist der Punkt: Ein Teil der Entscheidungen fällt dort, wo deine Website nichts davon mitbekommt.
Die kurze Antwort: Das Suchfeld hat sich vervielfacht
Das Suchfeld ist nicht schlauer geworden, es hat sich vervielfacht. Wer heute eine Physiotherapie, eine Steuerberaterin oder einen Verein zum Spenden sucht, kann an fünf Stellen anfangen: bei den Google-Treffern, in Googles KI-Übersicht, im KI-Modus von Google, in ChatGPT oder in Meta AI direkt im WhatsApp-Chat.
Überall heißt es: Hauptsache, wir werden bei Google gut gefunden. Das stimmt weiterhin, es ist nur nicht mehr die ganze Antwort. Aus meiner Arbeit mit kleinen Betrieben und Vereinen in Oberösterreich sehe ich nicht das Ende von Google, sondern eine Verschiebung: mehr Türen, und hinter jeder ein bisschen weniger Verkehr.
Für dich heißt das nicht, dass du auf allen Kanälen gleichzeitig präsent sein musst. Es heißt, dass du einmal ehrlich prüfen solltest, wo die Frage deiner Kundschaft heute tatsächlich gestellt wird.
Wo deine Kunden heute anfangen zu suchen
Es gibt heute drei Gruppen von Startpunkten: Google selbst, das inzwischen drei Gesichter hat, eigenständige Antwort-Maschinen wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini, und KI-Assistenten in Apps, die ohnehin offen sind, allen voran Meta AI in WhatsApp, Instagram und Facebook.
Google, das selbst zu dreien geworden ist
Neben den klassischen Treffern zeigt Google seit 26. März 2025 auch in Österreich KI-Übersichten, auf Deutsch und Englisch, für angemeldete Nutzer:innen ab 18 (Google, März 2025). Seit 8. Oktober 2025 gibt es zusätzlich den KI-Modus, in dem man mit der Suche weiterfragt wie in einem Chat (Google, Oktober 2025). Dieselbe Suchanfrage kann also drei sehr unterschiedliche Ergebnisseiten auslösen.
Die Antwort-Maschinen
ChatGPT hatte laut OpenAI im Februar 2026 rund 900 Millionen Nutzer:innen pro Woche (TechCrunch, Februar 2026). Viele nutzen es nicht als Suchmaschine. Für Fragen wie „Welche Trauredner gibt es im Mühlviertel?“ oder „Wer macht in Linz die Lohnverrechnung für Vereine?“ wird es aber längst verwendet. Die Antwort ist ein Absatz Text, oft mit ein paar Quellen darunter, und nicht eine Liste von zehn Links.
Meta AI: die Oberfläche, die die meisten übersehen
Seit März 2025 ist Meta AI in Europa in WhatsApp, Instagram, Facebook und Messenger verfügbar (Meta, März 2025), auch auf Deutsch (Basic Thinking, März 2025). Man muss dafür keine neue App installieren. Der Assistent ist einfach da, im selben Fenster, in dem man gerade mit der Schwester über die Hochzeit schreibt.
Tipp: Probier es selbst: Stell dieselbe Frage, die deine Kundschaft stellen würde, einmal bei Google, einmal in ChatGPT und einmal in Meta AI in WhatsApp. Die drei Antworten unterscheiden sich meist deutlicher, als man erwartet.
Was ich auf vier Websites gemessen habe
Auf vier Websites, die ich betreue, kamen von 22. Juli bis 20. Oktober 2026 auf 1.721 Besuche über Google 24 Besuche über KI-Assistenten, also rund 1 bis 2 auf 100. Über Meta AI kam auf keiner der vier Seiten ein einziger messbarer Besuch.
Die vier Seiten sind meine eigene, zwei Kundenbetriebe aus Oberösterreich und ein Verein für Hochzeitsmusik und freie Zeremonien, den ich selbst mitbetreibe. Gezählt habe ich in Google Analytics alle Besuche, die von chatgpt.com, claude.ai, Perplexity oder copilot.com kamen.
| Website | Besuche über Google | Besuche über KI-Assistenten |
|---|---|---|
| Digitalisierungswerkstatt | 94 | 3 |
| Kundenbetrieb 1 | 1.012 | 5 |
| Kundenbetrieb 2 | 361 | 3 |
| Verein (Hochzeiten und Feiern) | 254 | 13 |
| Gesamt | 1.721 | 24 |
Auffällig ist der Verein. Dort kamen 13 Besuche über KI-Assistenten, rund 5 auf 100 Google-Besuche und damit ein Mehrfaches der Betriebe. Meine Vermutung: Wer eine Hochzeit plant, unterhält sich lieber mit einer KI über Ideen und Kosten, als zehn Websites zu vergleichen. Belegen lässt sich das mit diesen Zahlen nicht, dafür sind sie zu klein.
Achtung: Den Haken an dieser Messung nenne ich lieber selbst. Google Analytics zählt nur Besuche von Menschen, die Cookies zugestimmt haben. Und ein KI-Assistent schickt nur dann einen Besuch, wenn jemand auf einen Link in der Antwort klickt. Was im Chat entschieden wird, ohne zu klicken, taucht in keiner Statistik auf. Die echten Zahlen sind also höher, nur wie viel höher, weiß niemand.
Warum ausgerechnet Meta AI relevant wird
Meta AI wird nicht wichtig, weil es das beste KI-Modell hätte, sondern weil es dort sitzt, wo die Menschen ohnehin sind. Metas Apps nutzten im September 2026 täglich im Schnitt 3,64 Milliarden Menschen (Meta, Oktober 2026), und Meta AI selbst hatte schon im Oktober 2025 über eine Milliarde Nutzer:innen pro Monat (Meta, Oktober 2025).
Das typische Muster sieht so aus: Jemand sieht auf Instagram ein Angebot, ein Café, eine Fotografin, einen Kurs. Statt einen Browser zu öffnen und zu googeln, fragt die Person direkt im Chat nach, ob das Angebot etwas taugt oder was es kostet. Die Entscheidung fällt, ohne dass die App verlassen wird.
Dazu kommt das Geld. Das Marktforschungsunternehmen EMARKETER prognostiziert, dass Meta 2026 erstmals mehr Werbeumsatz macht als Google, rund 243 gegen 240 Milliarden US-Dollar weltweit (MediaPost, April 2026). Das ist eine Prognose, kein Ergebnis. Sie zeigt aber, wohin die Werbebudgets wandern: dorthin, wo die Frage gestellt wird. Was das für bezahlte Werbung heißt, steht im Vergleich Google Ads oder Meta Ads.
Kernpunkt: Für deinen Betrieb ist nicht entscheidend, welches KI-Modell gewinnt. Entscheidend ist, auf welcher Oberfläche deine Kundschaft ihre Frage stellt. Bei vielen lokalen Zielgruppen ist das WhatsApp und nicht die Google-Startseite.
Der unbequeme Teil: KI-Antworten ziehen aus Quellen, die dir nicht gehören
Eine KI-Antwort über deinen Betrieb setzt sich aus dem zusammen, was die KI über dich findet: deine Website, aber auch dein Google-Unternehmensprofil, Bewertungen, Verzeichniseinträge und was andere über dich schreiben. Was davon veraltet oder falsch ist, kann in der Antwort landen.
Ein Beispiel aus dem eigenen Haus. Der Verein, den ich mitbetreibe, hat ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil mit 19 Bewertungen. Daneben gibt es einen doppelten Eintrag, den wir nicht verwalten, mit einer einzigen Bewertung und einer Telefonnummer, die dort nicht stehen soll. Am 22. Oktober 2026 habe ich über die Schnittstelle von Google nach dem Vereinsnamen gesucht. Gefunden wurde nur der doppelte Eintrag, nicht das echte Profil.
Genau das sieht ein Programm, das bei Google nach dem Namen fragt. Welche KI-Werkzeuge auf welche dieser Daten zugreifen, legen die Anbieter nicht offen. Das Risiko ist trotzdem klar: Im ungünstigen Fall bekommt jemand den Eintrag ohne die 19 Bewertungen zu sehen. Die Meldung bei Google läuft, erledigt ist sie bis heute nicht. Wie du dein Profil in Ordnung hältst, steht im Beitrag Lokal bei Google gefunden werden, was bei doppelten Einträgen hilft, im Beitrag Google-Unternehmensprofil übernehmen statt löschen.
Bei Meta geht es noch einen Schritt weiter. In den USA bietet Facebook seit Juni 2026 einen KI-Modus in der Suche an, dessen Antworten auf dem beruhen, was Menschen öffentlich in Gruppen und Reels schreiben (Meta, Juni 2026). Ob und wann das nach Österreich kommt, ist offen. Die Richtung ist aber klar: Was über dich gesagt wird, wird Teil der Antwort.
Tipp: Such deinen Betrieb einmal direkt auf Google Maps, nicht nur über die Website. Tauchen zwei Einträge auf, ist das kein Schönheitsfehler. Es ist genau die Stelle, an der eine Maschine im Zweifel den falschen erwischt.
Gefunden wird überall, angefragt wird weiter bei dir
Die Entdeckung verteilt sich auf immer mehr Oberflächen, die Handlung aber nicht. Angefragt, angerufen und gebucht wird weiter über deine Website, dein Telefon und dein Kontaktformular. Sichtbar zu bleiben kostet damit mehr Aufwand, während jeder einzelne Kanal etwas weniger Besuche bringt.
Wie stark eine KI-Übersicht die Klicks dämpft, hat das Pew Research Center in den USA gemessen. Bei Suchen mit KI-Übersicht klickten die Teilnehmenden in 8 Prozent der Fälle auf einen klassischen Treffer, ohne Übersicht in 15 Prozent. Auf einen Link in der Übersicht selbst klickten sie nur in 1 Prozent der Fälle (Pew Research Center, Juli 2025). Das sind US-Daten vom Frühjahr 2025, für Österreich gibt es nichts Vergleichbares.
In den Suchdaten meiner Kundschaft sehe ich ein ähnliches Bild: deutlich mehr Einblendungen bei Google als Klicks. Ob das an KI-Übersichten liegt oder an Positionen jenseits der ersten Seite, lässt sich daraus allein nicht trennen. Für die Praxis ist die Folgerung trotzdem dieselbe: Ein Platz in den Suchergebnissen ist weniger wert als früher, eine gute Antwort an der richtigen Stelle mehr.
Was ein kleiner Betrieb jetzt konkret tun kann
Keine Panik und kein neues Werkzeug. Vier Schritte reichen für den Anfang: selbst testen, wo du auftauchst, die Profile pflegen, aus denen KI-Antworten schöpfen, Sichtbarkeit als Portfolio statt als einen Kanal denken, und ehrlich bleiben bei dem, was sich nicht messen lässt.
1. Selbst testen statt annehmen
Nimm drei Fragen, die deine Kundschaft wirklich stellt, zum Beispiel „Physiotherapie Freistadt mit Hausbesuch“. Stell sie in Google, im KI-Modus von Google, in ChatGPT und in Meta AI. Notier, ob dein Betrieb vorkommt und was über ihn gesagt wird. Das dauert eine halbe Stunde und sagt mehr als jedes Dashboard. Wiederhol es alle paar Monate mit denselben Fragen, dann siehst du Veränderungen.
2. Das soziale Fundament pflegen
Google-Bewertungen, ein vollständiges Unternehmensprofil, ein ehrlicher Social-Media-Auftritt. Was früher Markenpflege hieß, ist heute auch Auffindbarkeit, weil KI-Antworten genau daraus schöpfen. Welche Plattform für dich überhaupt in Frage kommt, steht im Beitrag Welche Social-Media-Plattform für dein Unternehmen.
3. Sichtbarkeit als Portfolio denken
Manche Oberflächen belohnen klassische Suchmaschinenoptimierung, also gute Inhalte auf deiner Website. Andere belohnen, was über dich gesagt und geteilt wird. Wie du den Aufwand verteilst, ist eine Strategie-Entscheidung, keine technische. Wie Inhalte gebaut sein müssen, damit KI-Antworten sie zitieren, erklärt der Beitrag zur GEO- und KI-Optimierung, die laufende Betreuung dazu findest du unter Suchmaschinenoptimierung.
4. Ehrlich bleiben beim Messen
KI-Sichtbarkeit lässt sich derzeit nicht vollständig messen. Wer dir ein einziges Dashboard verspricht, das alles erfasst, verkauft ein teures Gefühl von Kontrolle. Was geht: Besuche von KI-Assistenten in Google Analytics als eigene Quelle sichtbar machen und den Selbsttest regelmäßig wiederholen. Wie sauberes Tracking aufgesetzt wird, steht unter Tracking und Analytics.
Schluss: Die alte Frage lautete: Auf welchem Platz stehe ich bei Google? Die neue lautet: Wo beginnt die Frage meiner Kundin überhaupt? Das Suchfeld ist nicht schlauer geworden. Es hat sich vervielfacht, und eine der Kopien sitzt jetzt in dem WhatsApp-Chat, in dem deine Kundin gerade sowieso schreibt.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde KI-unterstützt erstellt und vor Veröffentlichung inhaltlich geprüft, überarbeitet und redaktionell verantwortet von Lukas Tröls, Digitalisierungswerkstatt.at.
Quellen: Alle Quellen sind im Text verlinkt und wurden am 22. Oktober 2026 abgerufen. Eigene Messung: Google Analytics der vier genannten Websites, 22. Juli bis 20. Oktober 2026, Quellen chatgpt.com, claude.ai, Perplexity und copilot.com; Namenssuche über die Google Places API am 22. Oktober 2026.